Kerkini Feuerlauf

21. Mai 2010                                                                                       Autorin: Brigitte Ohm

Man plane etwas mehr Zeit ein und nehme statt der Schnellstraße ab Kilkis die Landstraße nach Kerkini. Wir kommen vorbei an wunderbaren Mohnfeldern so weit das Auge reicht. Die Hunde liegen faul auf der Hauptstraße und bewachen die Dörfer. Der Rest der Fahrt verläuft über die Berge mit einem atemberaubenden Blick über die bewaldete Landschaft. Das ist Natur pur.

 

In Kerkini angekommen, ist bereits die Energie des Ereignisses zu spüren. Das Opfertier wurde bereits dargebracht und die Frauen bereiten das Fleisch für die Feier nach dem Feuerlauf zu.
Die Einweihung hat bereits angefangen. Die Musiker spielen im Haus und die geweihten Menschen beginnen mit ihren ersten Tänzen.
Wir dürfen als Zuschauer am Fenster daran teilhaben. Aus allen Teilen Europas oder der Welt kommen die Griechen, um heute Abend am Konaki teilzunehmen.
Am Nachmittag legen die Menschen eine Pause ein. Wir nutzen die Zeit und erkunden die traumhafte Sumpflandschaft mit einem Jeep. Unser Führer Jannis erklärt uns seine Heimat und gibt uns Einblicke in die Tier und Pflanzenwelt. Er fährt mit uns durch unwegsames Gelände, und es kam wie es kommen musste, wir blieben im Schlamm stecken. Jannis blieb ruhig und besonnen, sah sich um und ging zu einem Baum, an dem er eine Seilwinde befestigte. Cool wie Indianer Jones zog er uns aus dem Loch und weiter ging es. Ich wollte es kaum glauben, er fuhr tatsächlich mit dem Jeep durch das Wasser. Puh, für jemanden wie mich, der ein unsicherer Schwimmer ist, sind das Momente, in denen ich etwas die Luft anhalte.
Unser Weg führt uns rund um den Kerkini See. Am anderen Ufer besuchen wir ein Frauenkloster. Auch hier ist eine besondere Energie zu spüren.
Zurück am Ausgangspunkt bleibt etwas Zeit zum Ausruhen, bevor die Musik und die Tänze fortgesetzt werden. Inzwischen wurde ein Feuer entfacht, und aus dem Haus dringt Musik nach außen. Wir suchen uns wieder einen Platz am Fenster und sind fasziniert und berührt von den Tänzen, die dort getanzt werden.

 

Gegen 21:30Uhr ist es soweit, die Musiker und die Tänzer setzen sich in Bewegung und gehen in Richtung Tanzplatz. Die Musik treibt die Tänzer an, die jetzt einer nach dem anderen durch die Glut laufen. Es schein fast so, als wollten sie die Glut mir Ihren Füßen austreten. Nach zehn Minuten ist die Glut erloschen und das Zeremoniell wird mit einem Syrtos für alle beendet. Danach wird das Opfertier verspeist. Wir hatten das Glück, eine junge Frau zu beobachten, die von ihren kleinen Kindern nach ihren Füßen gefragt wurde. Sie hob einen Fuß an und zeigte ihnen, dass sie nicht eine Brandblase davongetragen hatte.

Ein Teil der Gruppe, zu dem auch ich gehöre,  bleibt noch einen weiteren Tag.

Dieser weitere Tag beginnt mit Sonnenschein und lädt ein zu einer Bootsfahrt. Wir treffen Michalis, der gestern den anderen Teil unserer Gruppe auf der Bootstour begleitet hat.  Wir haben Glück, denn er kümmert sich darum, unser Bootsführer zu sein, da er perfekt deutsch spricht. Er entführt uns  in eine ganz fantastische Natur. Vorbei an Kormoranen, Graureiern, Pelikanen, Haubentauchern und wie sie alle heißen. Die Faszination kann nicht größer sein, als Michalis inmitten der Sumpflandschaft den Motor vom Boot ausstellt und wir dem Gezwitscher der Vögel lauschen können. Die Zeit ist viel zu schnell vorbei. Michalis hat uns die Fahrt zum Staudamm empfohlen. Von Kerkini ist es noch eine ganze Weile mit dem Auto zu fahren. Auch hier fahren wir  wieder vorbei an den diversen Vogelarten.

Der Straße entlang erblicken wir auf den Strommasten Storchennester so weit das  Auge reicht.

Der Staudamm ist ein großes Bauwerk, der Höhenunterschied ist beeindruckend. Von hier aus haben wir wieder einen wunderbaren Blick über den See. Langsam bekommen wir eine Ahnung von der Größe des Kerkini Sees.

Die Sonne sticht, der Himmel verdunkelt sich. Es liegt eine leicht bedrohliche Stimmung in der Luft. 

Und tatsächlich, der Himmel entlädt sich mit einem heftigen Gewitter.

Bedingt durch den Regen finden die weiteren Feierlichkeiten nur schleppend statt. Spät abends, bzw früh morgens höre ich von weit her etwas Musik. Also tanzen sie doch noch. Für mich gehen zwei wunderbare Tage zu Ende. Es war ein großes Geschenk, an diesen ganz besonderen Feierlichkeiten teilhaben zu dürfen.


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